Das Hamstern lässt nach

Gesamt-Umsatz nur noch 4 Prozent über Vorjahr - allmähliche Beruhigung der Situation im deutschen Lebensmitteleinzelhandel

Düsseldorf, 9. April – Das Einkaufsverhalten im deutschen Lebensmitteleinzelhandel hat sich in der letzten Märzwoche vorerst beruhigt. Die Umsätze wuchsen nur noch um 4 Prozent gegenüber der vergleichbaren Vorjahreswoche. Einzelne Warengruppen zeigen allerdings immer noch deutliche Schwankungen – nach oben und nach unten. Laut dem „IRI Corona Tracker“ legten vor allem Hygieneartikel und Grundnahrungsmittel trotz eines deutlichen Rückgangs der Umsatzdynamik weiterhin zu. Mit Kaffee-Ersatz (-38 Prozent) und Babynahrung (-42 Prozent) erlebten zwei ehemalige Hamsterkauf-Produkte erstmals eine negative Entwicklung.

„Das nur noch vierprozentige FMCG-Wachstum in KW13 lässt sich vor allem auf das in dieser Woche ausgesprochene Kontaktverbot, die Schließung aller nicht-lebensnotwendigen Geschäfte, Maßnahmen wie Einlasskontrollen und geregelte Abgabemengen zurückführen. Zudem hatten viele Verbraucher ihre Vorräte bereits in den Vorwochen aufgestockt und waren also versorgt“, so Sandra Lungu, Daten-Expertin bei IRI, einem führenden Anbieter von Big Data sowie analytischen und technologischen Lösungen für die Konsumgüterbranche. Manche Produkte – wie Klopapier – waren aber auch schlichtweg nicht mehr verfügbar in vielen Geschäften. Toilettenpapier verzeichnete mit nur noch +24 Prozent denn auch eine deutlich geringere Wachstumsrate als noch in den Vorwochen. Artikel wie Düfte wurden in der Krise kaum noch nachgefragt. Die Umsätze halbierten sich fast.

Sebastian Hendricks, ebenfalls Daten-Experte bei IRI, sieht das Vertrauen der Deutschen in die Lieferketten zurückkehren: „Die extremen Hamsterkäufe Mitte März mit einem Umsatzplus von nahezu 40% im Vergleich zur Vorjahreswoche waren sicherlich auch getrieben von der Angst, es könne zu Engpässen und Lieferschwierigkeiten im Lebensmitteleinzelhandel kommen. Diese Angst ist den Verbrauchern genommen worden.“ Zudem sei extremes Hamstern in den Medien scharf verurteilt worden. „Das alles hat bewirkt, dass sich das Einkaufsverhalten im stationären Einzelhandel insgesamt weitgehend normalisiert hat“, so Hendricks.

Bei den einzelnen Warengruppen zeigen sich allerdings gravierende Unterschiede. Manche Warengruppen werden immer noch verstärkt gekauft, andere kaum noch. Die Top-3-Kategorien in KW13 waren Haushaltshandschuhe mit +219 Prozent, feuchte Reinigungstücher mit +191 Prozent sowie Hygiene- und Sanitärreiniger mit +169 Prozent. Auch Melissengeist blieb deutlich im Plus. Insgesamt ging die Dynamik über alle Warengruppen hinweg allerdings zurück.

Bei den Vetriebsschienen zeigte sich in KW13 folgendes Bild: Während der traditionelle Lebensmitteleinzelhandel (+11,3 Prozent) und die Verbrauchermärkte (+9,1 Prozent) weiterhin zulegten, schwächelten die Markendiscounter und die Drogerien drehten mit -16 Prozent sogar ins Minus. Sandra Lungu sieht diese Entwicklung einerseits begründet im Trend zum One-Stop-Shopping. Der Verbraucher möchte mit nur einem Einkauf seinen Bedarf decken und seine Shoppingstrips reduzieren, um so Kontakte und Risiko zu minimieren. Das bedeute natürlich einen Vorteil für die Vollsortimenter. „Andererseits spielen hier sicherlich auch die fehlende Verfügbarkeit gefragter Güter sowie die Abwanderung zu Online bzw. Click & Collect eine Rolle“, so Lungu weiter.

In den einzelnen Bundesländern ist wie zu erwarten ein flächendeckender, deutlicher Rückgang der Umsatzdynamik zu sehen. Berlin zeigt nur noch ein leichtes Plus (1 Prozent), während die Entwicklung in Baden-Württemberg mit -2 Prozent sogar in den negativen Bereich gekippt ist.

Wie in jedem Jahr rechnen die Marktforscher von IRI in der Vor-Osterwoche mit höheren Umsätzen. Ostern war 2019 eine Woche später, dieser saisonale Kalendereffekt wird sich in den Zahlen widerspiegeln. „Wir rechnen Ostern 2020 aber damit, dass die üblichen Warengruppen weniger stark vom Osterpeak profitieren werden wegen der ausfallenden Osterfeierlichkeiten. Viele Großeltern zum Beispiel werden wahrscheinlich weniger Süßigkeiten für ihre Enkel kaufen, weil diese sie nicht besuchen kommen können“, vermutet Sebastian Hendricks.

Für die kommenden Wochen rechnet Hendricks mit wenig Veränderung: „Das Wachstum wird sich auf dem Niveau der KW13 halten, sollten sich die Fallzahlen nicht gravierend verändern sowie die Restaurants, Kantinen und Mensen weiter geschlossen bleiben. Dieser Außer-Haus-Konsum muss und wird natürlich durch höheren In-Haus-Konsum wenigstens zum Teil kompensiert. Vielleicht isst der ein oder andere zu Hause aus Langeweile auch einfach mehr.“

Im E-Commerce schwächt sich die Wachstumsrate laut IRI ab, bleibt mit +50 Prozent aber deutlich über Vor-Krisenniveau. Da im IRI-Bericht zum Online-Handel aber vornehmlich Non-Food-Händler betrachtet werden, ist davon auszugehen, dass das tatsächliche Plus deutlich höher ausfallen dürfte für den Schwerpunkt Lebensmittel. „Die Corona-Krise hat dem Online-Geschäft mit Lebensmitteln mächtig Schwung gegeben und der Lebensmittel-Kauf über das Internet wird von dieser Dynamik sicherlich auch über die Zeit von Pandemie und Kontaktsperre hinaus profitieren“, ist sich Hendricks sicher.

Über den „IRI Corona Tracker
IRI betrachtet für seinen „IRI Corona Tracker“ die vorläufigen Umsätze im Lebensmitteleinzelhandel - inklusive der Drogeriemärkte, exklusive Aldi, Lidl und Norma - auf Wochenbasis und vergleicht die Daten mit den entsprechenden Umsätzen der Vorjahreswoche.

Über IRI
IRI ist ein weltweit führender Anbieter von Marketing-Beratungsleistungen für Konsumgüterindustrie und -handel. Mit einer einzigartigen Kombination aus aktuellen Marktinformationen, umfassendem Marktverständnis, prädiktiver Analytik, vorausschauenden Insights und führenden Technologien helfen wir unseren Kunden, erfolgreich zu wachsen. Mit einer der weltweit größten Datenbanken aus Verbraucher- und Käuferdaten sowie Informationen über klassische, soziale und mobile Medien ermöglicht IRI weltweit über 5.000 Kunden, Potenziale zu erkennen, ihre Verbraucher anzusprechen, ihre Marktanteile auszubauen und ihr Wachstum zu steigern. Besuchen Sie uns unter www.iriworldwide.com


Presse-Kontakt
Britta Lenze
Manager PR & Marketing
E-mail: Britta.Lenze@IRIworldwide.com
Phone: +49 (0)211 36119 211

Download IRI Corona Tracker

How can we help you supercharge growth and profitability?

 

95 Prozent der Konsumgüterunternehmen der "Fortune 100" arbeiten bereits mit uns zusammen.

Sicherheitscode:
 Security code